Was bedeutet für mich das Grundgesetz?

Bildzeile: Die Auszubildenden in der Haller Stadtverwaltung (von links) Pauline Pollert, Nele Stricker, Marceline Daukant und Annemarie Oertel halten einen Werteschatz in den Händen, der auch 70 Jahre nach seiner Entstehung für sie nicht an Aktualität und Bedeutung verloren hat: „Das Grundgesetz als Magazin“ macht den „trockenen“ Gesetzestext aufgrund seiner modernen Aufmachung und auffälligen Illustrationen besonders zugänglich und gehört nun auch zur Ausbildungslektüre. Fachbereichsleiter Jochen Strieckmann (rechts) und Ausbildungsleiter Luigi Forciniti freuen sich über das Engagement des Verwaltungsnachwuchses und die vielfältigen Statements.

Diese Frage beantworteten jetzt für sich Auszubildende der Haller Stadtverwaltung:

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet. In diesen Tagen feiern Bundestag, Bundesrat und die Öffentlichkeit in Deutschland dieses Datum und das 70-jährige Bestehen. Sie erinnern an die Bedeutung und Verantwortung, die dessen „Mütter und Väter“ der damals jungen Bundesrepublik mit dem Werk an die Hand gegeben haben. Und es wirkt bis in die Ausbildung des Verwaltungsnachwuchses in der Lindenstadt.

Die Stadtverwaltung bildet aktuell vier junge Frauen im dualen Studiengang „Bachelor of Laws“ aus, daneben ist ein Platz in der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten besetzt. Anlässlich des Verfassungs-Jubiläums wurden Ihnen vom Ausbildungsleiter Luigi Forciniti die Fragen gestellt „Was bedeutet mir das Grundgesetz heute?“ und „welche Bedeutung hat es für meine Ausbildung?“ Insbesondere die Grundrechte „Meinungsfreiheit“ und „Freiheit der Berufswahl“ haben bei den Antworten einen recht großen Platz eingenommen.

Der angehenden Bachelor of Laws, Marceline Daukant (19), die, wie ihre Kolleginnen, spontan und freudig Antworten gefunden hat, ist zunächst aufgefallen: „Es ist wirklich erstaunlich, welche und wie viele wichtige Rechte uns schon seit 70 Jahren zustehen“. „Das Grundgesetz liefert uns auch heute durch klare Strukturen eine Handlungsbasis, die ein Zusammenleben in unserer Gesellschaft möglich macht“, sehen auch die anderen eine nach wie vor gültige Berechtigung des Grundgesetzes. „Es macht uns zu gleichen Menschen unabhängig vom Alter, Geschlecht oder Herkunft!“.

Die 20-jährige Annemarie Oertel, seit 2 Jahren in der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, findet einen einfachen, pragmatischen Bezug: “Jeder in Deutschland kommt täglich mit den Grundrechten in Berührung, ob es nun im Beruf ist, beim Umzug in eine andere Stadt oder einfach bei der Äußerung der persönlichen Meinung. Das Grundgesetz und vor allem die Grundrechte haben Einfluss auf das Leben jeder Person. Ohne das GG könnte die Demokratie - wie wir sie kennen - nicht funktionieren. Deutschland kann stolz darauf sein, dass bspw. Menschenwürde und Pressefreiheit Grundrechte sind, denn das ist nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit.“

Zu der Frage „Welche Rolle spielt das Grundgesetz für mich und meine Berufsausbildung?“ gibt es ebenfalls klare Haltungen der jungen Damen: „In unserer Berufsausbildung arbeiten wir mit verschiedenen Menschen zusammen. Dabei ist es wichtig, dass alle gleich und würdevoll behandelt werden (Art. 1 und 3 GG). Zudem gibt es uns und auch unserem Gegenüber die Möglichkeit, miteinander frei in Interaktion treten zu können, in der jeder seine Meinung frei äußern darf.“

Auch im Artikel 12 (Berufsfreiheit) finden sich die jungen Menschen wieder, wenn Marceline Daukant formuliert: „Die Berufsfreiheit hat den Grundstein gelegt, sich auch bezüglich des Berufes selbst zu verwirklichen. Früher war es Tradition, den Beruf der Eltern zu übernehmen. Heutzutage gibt es bei den Berufskonstellationen in den Familien viel mehr Diversität. Viele Menschen entscheiden sich selbstständig und unabhängig von den Meinungen und Einflüssen der Umwelt für einen Beruf; dabei spielt es keine Rolle, ob es der Richtige ist. Es geht darum, dass wir zufrieden sind und uns selbst ausprobieren können, denn nur so lernen wir uns selber kennen und dies kann wiederum zu mehr Arbeitseinsatz führen!“

Pauline Pollert (18), ebenfalls seit vergangenem September im dualen Studium, hat für sich herausgefunden: „Für mich persönlich spielt das Grundgesetz jeden Tag eine große Rolle, dadurch, dass ich jederzeit über meine Handlungen frei entscheiden kann, sowie meine Meinung äußern kann. Auch ist jedem die Chance gegeben die Politik selbst mitzugestalten, denn „alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ (Art. 20 Abs. 2 S. 1 GG).“ Für die neunzehnjährige Nele Stricker, die Dritte im Bunde der Studierenden an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, bedeutet das Grundgesetz vor allem Sicherheit und Schutz vor Willkür. „Dinge, die leider auch heute noch längst nicht überall auf der Welt garantiert sind.“

Wie alle anderen hat Annemarie Oertel eine optimistische Grundhaltung, die sich aus dem Grundgesetz ableiten lässt: „Jeder Mensch hat das Recht, sich frei zu entfalten. Jeder hat die Freiheit, zu bestimmen, wo er lebt, welche Kleidung er anzieht oder welche Musik er hört. Jeder darf leben, wie er möchte und keiner hat das Recht, über das Leben oder die Lebensweise anderer zu bestimmen. Ich finde, das Schöne daran ist zu sehen, wie vielfältig und verschieden die Menschen sind, denn das macht den Austausch und das Leben an sich mit anderen viel interessanter und offener.“ Nele Stricker fasst es so zusammen: „Seit sich in der Mittelstufe ein politisches Bewusstsein bei mir entwickelt hat, habe ich die Relevanz des Grundgesetzes realisiert. Ich bin dankbar, in einem Land zu leben, das eine unantastbare Rechtsstaatlichkeit hat.“

 

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